Wie sich DITA und S1000D unterscheiden

Dezember 8, 2015 11:48 am Veröffentlicht von

DITA und S1000D sind zwei der bekanntesten, internationalen Informationsarchitekturen und Standards für Dokumentation. Beide dienen der Erstellung von Dokumentation nach den Regeln der Wiederverwendung von Inhalten und dem Single-Source-Prinzip. Bei beiden werden Inhalt, Struktur und Layout voneinander getrennt. Einzelne Teile des Inhaltes werden mit Hilfe von externen Maps zu unterschiedlichen Strukturen zusammengefasst. So entsteht ein hoher Grad an Flexibilität und Redundanzen werden vermieden.

Sind sie einander so ähnlich, wie es dem Anschein nach der Fall ist? Wir wollen ein wenig tiefer bohren, um herauszufinden, was sie gemeinsam haben und in welchen Punkten sie sich voneinander unterscheiden.

S1000D
S1000D ist eine internationale Spezifikation für die Erstellung technischer Publikationen und findet hauptsächlich in der Aerospace & Defense Industrie Verwendung. Obwohl die S1000D nicht zu den ISO-Standards zählt, ist sie immer noch weit verbreitet. Sie wurde in den 1980er Jahren von der “Aerospace and Defence Industries Association of Europe” (ASD) geschaffen, um die große Menge an kontinuierlich produzierten technischen Dokumentationen besser verwalten zu können. Die S1000D Spezifikation wurde ursprünglich im Bereich der Entwicklung ziviler oder militärischer Luft-, See- und Landfahrzeuge sowie militärischer Verteidigungsprojekte in Europa, den USA und in Australien genutzt.
Mit der Zeit wurde die Spezifikation umfangreicher und entwickelte sich weiter. Sie wird derzeit von folgenden Organisationen unterstützt:

  • AeroSpace and Defence Industries Association of Europe (ASD)
  • Aerospace Industries Association of America (AIA)
  • Air Transport Association (ATA)

Ausgewählte Vorstandsmitglieder dieser Organisationen und Vertreter aus Industrie und Verteidigung der meisten Länder, in denen der Standard eingesetzt wird, bilden das S1000D Steering Committee. Dieser Ausschuss ist für die kontinuierliche Unterstützung und Entwicklung von S1000D verantwortlich und steht an vorderster Reihe bei der Implementierung.
Eines der Kernkonzepte von S1000D ist die technische Publikation. Sie kann entweder ausgedruckt werden oder existiert nur als elektronischer Hypertext. S1000D unterteilt große Inhaltsblöcke in kleinere, die später als Bausteine für größere Dokumente verwendet, gemäß der Prämisse, einen Inhalt nur einmal zu schreiben. Dieser Ansatz ist ungemein effizient, was die Einsparung an Zeit- und Ressourcenaufwand anbelangt und erhöht nebenbei die Qualität der Dokumentation als Ganzes.
Obwohl S1000D verschiedene Arten von technischen Veröffentlichungen ermöglicht, bestehen andererseits erhebliche Einschränkungen in Bezug auf Struktur und Formatierung. Dies kann auf einen unvorbereiteten Benutzer abschreckend wirken.

DITA
Wie S1000D basiert auch DITA auf dem Single-Souce-Prinzip. Sowohl DITA als auch S1000D ermöglichen die Wiederverwendung von Inhalten in Form von Datenmodulen (gilt für S1000D) und Topics (gilt für DITA). Diese können beliebig oft wiederverwendet werden, um verschiedene Dokumente aus dem vorhandenen Material zu erstellen. Sich wiederholende Inhalte müssen so nur an einer zentralen Stelle geschrieben, gepflegt und übersetzte werden. Was DITA unterscheidet ist, abgesehen von den Spezialisierungen, die Tatsache, dass der Gebrauch von DITA nicht auf bestimmte Branchen beschränkt ist, sondern verschiedene Anwendungsgebiete kennt.

Was sind Spezialisierungen? Hierzu soll die offizielle OASIS Webseite zitiert werden: “(a) eine Spezialisierung ermöglicht es, neue Arten von Informationen zu definieren (neue Strukturtypen oder neue Gebiete von Informationen), während von dem bestehenden Design und den Inhalten so viel wie möglich wiederverwendet wird, was die Kosten für Austausch, Migration und Wartung minimiert oder gar ganz aufhebt “. Fügt man zu diesem Vorteil noch die vererbte Vielseitigkeit von DITA hinzu, wird der Nutzen von DITA offensichtlich, wenn es außerhalb der S1000D dominierten Branchen eingesetzt wird.

DITA wurde zunächst für die Dokumentation von Hardware und Software entwickelt und ist in der IT Branche ohne Konkurrenz. Dies ergibt sich auch aus der Tatsache, dass DITA ursprünglich von IBM entwickelt wurde und von Branchenführern wie Microsoft, Intel, Cisco, Oracle und SAP unterstützt wird.
Mittlerweile hält DITA dank seiner Flexibilität und branchenabhängiger Spezialisierungen auch Einzug in andere Bereiche und wird für Learning& Training, Gesundheitswesen, Automobilindustrie und Maschinen- und Anlagenbau eingesetzt.

Als einzigen Nachteil, hat DITA den Ruf, schwierig zu lernen zu sein. Da es auch in nichttechnischen Gebieten verwendet wird, kann dies manchmal zum Hindernis werden. Mit entsprechenden Beratungsleistungen und den richtigen Werkzeugen kann die Einführung im Unternehmen leichter gemacht werden. Entsprechende Anbieter helfen bei der Implementierung, Migration der Inhalte und Schulung der Mitarbeiter.

Am Ende bleibt die Frage, welcher Standard der bessere ist. Nun, es gibt keine eindeutige Antwort. Wenn Sie mit der Erstellung von Dokumentation im Bereich Aerospace & Defense zu tun haben, ist wahrscheinlich S1000D die richtige Wahl, während in anderen Bereichen DITA zweifelsohne weiter verbreitete flexibler und anpassungsfähiger ist.

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